Archive for Februar, 2012

Nürnberg

Montag, Februar 6th, 2012

Am Wochenende war ich mal wieder unterwegs um mein Soloprogramm zu spielen. Der Weg führte in den hohen Norden direkt nach Nürnberg. Da noch etwas Zeit war, blieb Gelegenheit, ein bisschen durch die Stadt zu schlendern und siehe da: Ein Plakat machte gross Werbung für eine Ausstellung über Zauberkästen im Spielzeugmuseum. Wie ich danach feststellte, war es nicht nur ein Plakat. Die ganze Innenstadt war übersät mit Hinweisen. So eine Werbung könnte man sich manchmal selbst wünschen.

Wie ich also erfuhr läuft im Spielzeugmuseum gerade eine Sonderaustellung (noch bis 19.02.), die einige der historischen Zauberkästen aus der berühmten Sammlung von Wittus Witt zeigt. So verbrachte ich also einige Stunden im Museum und studierte vor allem die Zauberkästen genau. So eine Ausstellung, die Hintergründe über unsere Kunst zeigt, ohne jedoch Geheimnisse aufzudecken, wäre wunderbar um das Ansehen der Zauberkunst in der Bevölkerung zu steigern. Vor allem im Ausland gab und gibt es solche Austellungen und auch hier würde ich mir mehr davon wünschen. Leider hatte ich während meines Aufenhalts den Eindruck, dass die vereinzelten Besucher dem Thema nicht die Wertschätzung entgegenbrachten, die wir Magier uns wünschen würden. Hier ist sicherlich noch mehr Öffentlichkeitsarbeit und Nachhilfe notwendig.

Schliesslich machte ich mich auf den Weg ins Tassilo Theater um mein Programm vorzubereiten. Von aussen ziemlich unscheinbar, verbirgt sich hinter der Fassade ein phantastisches Gewirr aus Treppen, Nischen, Gängen und Sälen. Dieser Ort ist absolut einzigartig und strahlt eine solch geheimnissvolle Nostalgie aus, die wie geschaffen ist für mein Programm. Diejenigen, die das Programm schon kennen, wissen, dass es auch hier einen Teil gibt, der vergangene Zeiten wiederaufleben lässt.tassilo1.jpg

Die Show lief soweit auch gut, und man merkt, dass mittlerweile ein gewisser Rhythmus eingekehrt ist. Inzwischen fühlt sich das Programm ziemlich gut an und ich muss nicht mehr über jeden Schritt nachdenken. Leider war das Theater an diesem Abend nicht ganz voll, so dass die Stimmung und die Publikumsreaktionen nicht wie gewohnt waren. Ich hoffe sehr, dass es gelingt diese Art von Programm in diversen Theatern zu etablieren. Viele gute Zauberkünstler entwickeln sich von der Zauberei weg und machen Programme, die fast nur noch aus Kabarett oder Comedy bestehen. Wenn es aus persönlichen Gründe geschieht, mag das ok sein, wenn es jedoch nur darum geht mehr Leute anzulocken, ist es vielleicht ein zu bequemer Weg. Moderne Zauberkunst kann den Menschen ein unglaubliches Gefühl schenken und ihnen einmalige Erlebnisse geben, die mit keiner anderen Kunstform zu erreichen sind. Daher habe ich drei Wünsche: Erstens an alle Zauberkünstler, den Mut zu haben ein tolles Programm zu entwickeln und dieses so oft wie möglich zu spielen, auch wenn es finanziell nicht so erfolgreich ist. Zweitens, an alle Theaterbetreiber, den Mut zu haben, Zauberprogramme zu zeigen und damit dem Publikum die Vielfalt künstlerischen Schaffens zu zeigen. Und drittens an alle Zuschauer. Gehen Sie neue Wege. Riskieren Sie, sich ein Programm von einem unbekannten Künstler anzusehen oder eine neue Kunstform wahrzunehmen. Sie werden mit Erfahrungen und Eindrücken belohnt. Speziell im Hinblick auf Zauberkunst, sei der Hinweis gestattet, dass moderne Zauberkunst nichts mehr mit alten Klischees zu tun hat und junge wie alte Zuschauer faszinieren und unglaublich gut unterhalten kann.

Auf dem Weg nach Hause gab es noch einen kurzen Zwischenstopp in Ingolstadt, wo ich vor dem Stadttheater folgendes Plakat sah. Ich fand dieses Zitat unglaublich wahr und wert darüber nachzudenken.

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